Freitag, 27. April 2018

Ganz nah. Achatiuskapelle Grünsfeldhausen.

Achatiuskapelle
Unweit vom schönen Taubertal (Kartenübersicht am Ende des Beitrags) steht in dem kleinen Ort Grünsfeldhausen diese ungewöhnliche Kirche. Sie besteht aus zwei Oktogonen (Achteck), das große dient als Kirchenschiff, das kleinere als Altarraum.
"Der sehr regelmäßige, überwiegend schmucklose Bau [...] wurde vermutlich in den Jahren 1180 bis 1220 von der Bauhütte des nicht weit entfernten Zisterzienserklosters Bronnbach über einem älteren Kirchenbau errichtet. Vor allem die achteckige Form gibt Rätsel auf. Denn außer italienischen Vorbildern und der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen gibt es nur wenige architektonische Vorbilder. Eine der vielleicht sogar zutreffenden Legenden zur Entstehung geht davon aus, dass hier ein glücklicher Rückkehrer von einem Kreuzzug ins Heilige Land eine Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem schaffen wollte." *
"Es mag also durchaus sein, dass ein fränkischer Ritter als Teilnehmer am Zweiten oder Dritten Kreuzzug, der vielleicht auch zu den zahlreichen adeligen Förderern des Zisterzienserklosters Bronnbach gehörte, hier eine Kirche aus Dank für seine Rückkehr errichtete - oder dass er für den nicht unwahrscheinlichen Fall seines Todes schon vorher eine Stiftung oder ein Testament für eine würdige Stätte seines Andenkens eingerichtet hatte." *
 Das Eingangsportal. Achatiuskapelle
Blick in das kleine Oktogon (Altarraum). Achatiuskapelle
Die Fenster im großen Oktogon sind aus dem 20. Jahrhundert, von Valentin Peter Feuerstein.
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Der merkwürdige Stein.
"Rätselhaft ist auch ein kleiner, an der westlichen Außenseite der Kapelle eingelassener Stein. Er passt nicht recht zu den sonstigen Quadern und hat acht kleine Vertiefungen. Dieser "Näpfchenstein" wurde schon als mysteriöser, bronzezeitlicher Opferstein, vielleicht noch aus der Zeit des heidnischen Quellheiligtums gedeutet. Nicht wenige solcher Schalensteine in Europa geben vergleichbare Rätsel auf. Nach anderen Theorien handelt es sich um Reste eines jüdischen Chanukka-Leuchters. Diese waren im Mittelalter oft aus Stein gefertigt. In den Näpfchen wurden dann mit Öl und Dochten die Lichter entzündet, um das Chanukka-Fest anzukündigen." *
 Achatiuskapelle
Die Achteckform wurde von dem Brunnen aufgenommen.
Achatiuskapelle
Achatiuskapelle
Eine ganz ähnliche, ebenfalls achteckige Kapelle ist im nur gut 10 Kilometer entfernten Oberwittighausen zu finden.
Quellen: Rainer Leng. Unbekanntes Mainfranken. München 2014. Die Zitate hieraus sind mit * gekennzeichnet.

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